Wohin geht die Reise?

Architektur, Bauen und Wohnen werden direkt von neuen Trends und Lebensformen geprägt. Traditionelle Familienstrukturen haben sich längst aufgelöst. "Patchwork"-Familien und Wohngemeinschaften quer durch alle Altersgruppen werden immer häufiger. Im Gegenzug verzeichnen kompakte Wohnungen vor allem im urbanen Raum einen starken Zuwachs. Die steigende Mobilität führt zu häufigen Wohnungswechseln.

Einkommen und Lebensstil prägen die Segmentierung in soziale Gruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Eine Frage steht aber stets im Raum: "Können wir uns Wohnen noch leisten?" Daher ist das Erkennen von Trends ein entscheidender Faktor für das Bauen der Zukunft.

Faktor Mobilität für besten Wohnstandort

Österreich befindet sich in einem Mobilitätswandel. Öffentliche Verkehrsmittel, Carsharingkonzepte oder die Forcierung des Radfahrens gewinnen an Bedeutung. Im Alltag von AlleinerzieherInnen oder älteren Personen sind diese allerdings oft schwer anwendbar. Gemeinsam mit AIT Austrian Institute of Technology GmbH – Mobility Department und der Technischen Universität (TU) Wien Fachbereich Stadt- und Regionalforschung arbeiten wir seit September 2011 am Forschungsprojekt „Genderorientierte Standortbewertung der Mobilitätsqualität“ (GeSMo), das in Kürze abgeschlossen wird.

Kinderbetreuung ist Frauensache

In einer österreichweiten, repräsentativen Erhebung wurden Mütter oder Väter, die allein für die Mobilität ihres Kindes/ihrer Kinder zuständig sind,  mit zumindest einem Kind unter zehn Jahren, zu ihren wichtigsten, täglichen Wegen wie Arbeitsplatz, Bildungseinrichtungen, medizinische Versorgung, Lebensmittel, etc. befragt. 45 Prozent der Eltern mit Kindern unter zehn – egal ob in einer Partnerschaft lebend oder nicht – sind allein für das Bringen und Holen der Kinder verantwortlich. Überwiegend sind dies Frauen. Ein Drittel dieser Eltern, die allein verantwortlich sind, ist erwerbstätig. Kindergarten und Volksschule, Lebensmittelhandel sowie Arzt und Apotheke sind die wichtigsten Stationen im Alltag.

Senioren erledigen Einkäufe und Arztbesuche zu Fuß

Für alleinlebende Personen über 60, die nicht mehr im Erwerbsleben stehen (80 Prozent Frauen, 37 Prozent in Orten unter 5.000) ist die Erreichbarkeit von Allgemeinmedizinern und Apotheken sowie vom regionalen Lebensmittelhandel sehr wichtig. Knapp 60 Prozent erledigen Einkäufe zu Fuß, ebenso wie etwa die Hälfte der Befragten den Weg zu Apotheke und Arzt. Erst mit rund 80 Jahren nimmt die Mobilität ab und der Wohnort nahe Arztordinationen und Apotheken wird als wichtig eingestuft. Menschen zwischen 60 und 80 sind aktiv, sofern sie gesund sind. Für sie sind Cafes und Restaurants wichtig um Familie und Freunde zu treffen, viele besuchen auch gerne kulturelle Veranstaltungen, häufig per PKW.

Gute Freunde, strenge Rechnung.

 

Geld ist in Partnerschaften ein hoch sensibles Thema und der zweithäufigste Anlass ernsthafter Beziehungsprobleme. Aktuell pflegen nur 38 Prozent der Paare in ihrer Lebensgemeinschaft einen offenen Umgang mit ihrem Einkommen und verfügen nur über ein gemeinsames Bankkonto. Gerade beim Gemeinschaftskonto zeigen sich deutlich die gesellschaftlichen Veränderungen. In den Altersgruppen ist der Trend eindeutig. Je jünger, desto eher getrennte Bankkonten.

Quelle: Andrea Baidinger, Trendstudie "Wohnen" 2012
Repräsentative Umfrage 
Sample: 1000 ÖsterreicherInnen

Gemeinsame Entscheidung: Wohnen und Auto on top.

 

Eine bemerkenswerte Entwicklung der letzten Jahre zeigt sich bei Paaren bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung größerer Anschaffungen. Vor zehn Jahren waren weniger als zehn Prozent der Frauen in die ultimative Entscheidung über den Kauf von Auto oder Wohnungseinrichtung eingebunden. Heute zählen diese beiden zu den Top-Gemeinschaftsentscheidungen. Grundsätzlich wird bereits über Ausgaben ab einer Höhe von rund 300 Euro gemeinsam entschieden.

Quelle: Andrea Baidinger, Trendstudie "Wohnen" 2012
Repräsentative Umfrage 
Sample: 1000 ÖsterreicherInnen

Späte Reue nach dem gemeinsamen Erwerb von Eigentum.

 

Etwa die Hälfte der Paare teilen sich die Immobilie im Grundbuch zu 50 Prozent. Im Falle einer Trennung wird zu etwa einem Viertel das Haus oder die Wohnung zum unerfreulichen Streitfall. Haben 2001 auf die Frage „Würden Sie nochmals mit ihrem/einem Partner eine Eigentumsimmobilie erwerben?“ 29 Prozent mit „Nein“ geantwortet, so würden aktuell bereits 44 Prozent diesen Vorgang nicht mehr wiederholen.

Quelle: Andrea Baidinger, Trendstudie "Wohnen" 2011
Repräsentative Umfrage
Sample: 1000 ÖsterreicherInnen

Immer weniger Paare leben zusammen.

 

Teilten bei der Befragung 2001 noch rund 2/3 der ÖsterreicherInnen ihre Wohnung gemeinsam mit ihrem Partner, so gaben bei der zuletzt durchgeführten Erhebung nur mehr etwas mehr als die Hälfte der Befragten an, gemeinsamen in einem Haushalt mit dem Partner zu leben. 30 Prozent dieser Paare bewohnen eine Eigentumsimmobilie. Seit 2001 werden von Baidinger in regelmäßigen Abständen Untersuchungen durchgeführt, die nun eine verlässliche Gegenüberstellung der Daten ermöglichen und die gesellschaftliche Entwicklung zum Thema Wohnen in Österreich darstellen.

Quelle: Andrea Baidinger, Trendstudie "Wohnen" 2011 
Repräsentative Umfrage 
Sample: 1000 ÖsterreicherInnen

"Wir waren jung und hatten kein Geld."

 

Ein eklatanter Rückgang um 14 Prozent beim Erwerb einer Eigentumsimmobilie ist bei den bis zu 25-Jährigen Paaren zu verzeichnen. Längere Schul- und Ausbildungszeiten, Zunahme von Zweit- und Drittausbildungen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse sowie längere Jobsuche führen zu geringem Einkommen in der Gruppe der Anfang 20er. Laut Statistik Austria verdienten im Jahr 2009 die 21- bis 23-Jährigen jährlich rund 5.000 netto Euro. Ein Teil davon verschiebt sich in die Gruppe der 26-39-Jährigen, bei denen das Einkommen bei rund 20.000 netto Euro pro Jahr liegt. Auffallend der Trend bei Paaren 40 . Hier ist eine Zunahme des Anteils um acht Prozent zu verzeichnen.

Quelle: Andrea Baidinger, Trendstudie "Wohnen" 2011 
Repräsentative Umfrage 
Sample: 1000 ÖsterreicherInnen

50+ als neue mobile Zielgruppe.

 

Die neue, repräsentative Trendstudie zum Wohnverhalten der ÖsterreicherInnen von Andrea Baidinger, Kommunikationsexpertin in Immobilienfragen, deckt auf: 24 Prozent der über 50-Jährigen planen ihren Wohnsitz zu verändern. Diese Bevölkerungsgruppe  stellt mit etwa 35 Prozent den größten Anteil an der österreichischen Bevölkerung dar. Es hat sich dabei eine sich von der Werbewirtschaft unverstanden fühlende, neue Spezies formiert. Jung, selbstbewusst, aktiv – eine Generation die mitten  im Leben steht. Menschen die aus sämtlichen bisherigen zielgruppenorientierten Strategien herausfallen und damit Werbung und Marketing, sowie die gesamte Bau- und Immobilienbranche vor völlig neue Aufgaben stellen. Denn die Wickie, Slime & Paiper Generation, die sich in der Mitte – und nicht im letzten Drittel - ihres Lebens befindet, ist bis jetzt in einer Grauzone der „Senioren“ verschwunden. Immer öfter haben sie selbst noch Kinder im schulpflichtigen Alter oder Kleinkinder. Ein neues Zeitalter hat begonnen, wo kräftig umgedacht werden muss.

Quelle: Andrea Baidinger
Trendstudie: Wohnen 2009
Umfrage: Österreichisches Gallup Institut

Die "Wickie, Slime & Paiper"-Generation definiert Wohnen neu.

 

Andere Werte für Wohnen. Babyboom, Aufbruchstimmung und Entscheidungsfreiheit hat diese Generation stark und entschlossen gemacht. Mit Selbstbewusstsein, einer offenen Denkweise und einem völlig anderen Weltbild als jenes der Nachkriegsgeneration, die mit konservativen Wertvorstellungen erzogen wurde und aufgewachsen ist. Die „neuen Fünfziger“ sind nicht nur optimistisch und voller Tatendrang, und gerade deshalb für die Immobilienbranche eine neue Zielgruppe mit neuen Lebenswelten, die man sich erst erarbeiten muss. Sie sind gefestigte Charaktere, die exakt wissen was sie wollen und die selbst die Richtung vorgeben und nicht die Marketingstrategen. Baidinger: „Es ist eine Generation die erwartet serviciert zu werden, aber nicht mit billigen Tricks und einem Vorgaukeln heiler Welten, sondern mit Dingen, die tatsächlich einen Sinn für sie machen.“

Quelle: Andrea Baidinger
Trendstudie: Wohnen 2009
Umfrage: Österreichisches Gallup Institut

Guter Tipp gefällig? Private Wohnungssuche bevorzugt.

 

Mundpropaganda vor Zeitungen und Internet. Das Ergebnis der aktuellen, repräsentativen Trendstudie zum Wohnverhalten der ÖsterreicherInnen zeigt, dass die führende Informationsquelle für Wohnungssuchende in der Rangfolge mit 49 Prozent das private Umfeld ist, 42 Prozent nützen die Immobilienanzeigen der Zeitungen, die Suche über das Internet liegt mit 35 Prozent bereits an dritter Stelle.  Die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen, dass zunehmend mehr ÖsterreicherInnen für die Wohnungssuche das sachliche Gespräch suchen. Haben noch vor sechs Jahren nur ein Drittel die Wohnungssuche über private Kontakte versucht, so sind es jetzt bereits 49 Prozent die diese Kanäle vorziehen. Die Mobilität der ÖsterreicherInnen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Damit sind die Kosten für Vermittlung und Kaution bei häufigeren Wohnungswechseln eine immer größer werdende Belastung.

Quelle: Andrea Baidinger
Trendstudie: Wohnen 2009
Umfrage: Österreichisches Gallup Institut

Verunsicherung durch unrealistische Angebotspreise.

 

Service und Transparenz bei der Wohnungssuche.

In einem Zeitraum von sechs Monaten diesen Jahres wurden von zwei der größten Immobilienplattplattformen die Angebotspreise von Eigentumswohnungen der österreichischen Landeshauptstädte erfasst und daraus durchschnittliche Quadratmeter - Preise gebildet. Kriterien dafür waren PLZ, Adresse, Wohnfläche, Stockwerk, Lift, Baujahr und Besonderheiten wie Garten, Dachterrasse. Beim Vergleich der erhobenen Angebotspreise mit den Daten der Webservicesunited.com, die in ihrem Produkt „Immomapping“ alle Detailinformationen von Kaufverträgen erfasst hat, zeigen sich Unterschiede von 10 bis 40 Prozent der durchschnittlichen Angebotspreise zu den erzielten Kaufpreisen. Diese Differenz ist für private Wohnungssuchende schwer nachvollziehbar.

Quelle: Andrea Baidinger
Trendstudie: Wohnen 2009
Umfrage: Österreichisches Gallup Institut

Über 1,2 Millionen wollen bis 2014 Wohnsitz wechseln.

 

Umbruchstimmung beim Wohnen. Die neue, repräsentative Trendstudie zum Wohnverhalten der ÖsterreicherInnen lässt aufhorchen: Die Mobilität der ÖsterreicherInnen steigt. Ein knappes Viertel plant innerhalb der nächsten zehn Jahre den Wohnsitz zu wechseln. Bereits neun Prozent, das sind etwa 590.000 ÖsterreicherInnen, planen den Umzug innerhalb der nächsten beiden Jahre, weitere neun Prozent im Zeitraum der nächsten fünf Jahre, das sind in Summe etwa 1,2 Millionen. 
Im Ost-West-Gefälle des Landes lassen sich deutliche Unterschiede im Wohnverhalten erkennen. Die mobilsten ÖsterreicherInnen sind in den Bundesländern Wien, Tirol und Vorarlberg zu finden. Jeweils ein Drittel der EinwohnerInnen dieser Bundesländer streben innerhalb der nächsten Jahre einen Wohnungswechsel an. Elf Prozent der WienerInnen, sowie zehn Prozent der TirolerInnen und VorarlbergerInnen wollen ihren Wohnsitz bereits innerhalb der nächsten zwei Jahre verlegen.

Quelle: Andrea Baidinger
Trendstudie: Wohnen 2009
Umfrage: Österreichisches Gallup Institut

Einfamilienhäuser verlieren an Beliebtheit.

Einfamilienhäuser verlieren

Umbruchstimmung beim Wohnen. Derzeit wohnen 37 Prozent der ÖsterreicherInnen in einem Einfamilienhaus, aber nur noch 26 Prozent der „ÜbersiedlerInnen“  planen den Umzug in ein solches. Bei Reihenhäusern ist der Trend genau umgekehrt. Bei aktuell fünf Prozent erwägen sogar zwölf Prozent – also mehr als doppelt so viele – den Umzug in ein Reihenhaus. 58 Prozent wohnen aktuell in einer Wohnung, 63 Prozent planen dies für die Zukunft. Das Einfamilienhaus verliert deutlich an Attraktivität.

Der Wunsch nach Genossenschaftsanteilen und nach Miete dominiert den Markt. Bis vor wenigen Jahren war die Miete eines Einfamilienhauses in Österreich eine kaum genutzte Wohnform. Diese ist aber für immerhin sieben Prozent der ÖsterreicherInnen auch eine Wunschvariante, die sich mit den geänderten gesellschaftlichen Verhältnissen koordinieren lässt. Hier wird sich der Markt neu entwickeln.

Quelle: Andrea Baidinger
Trendstudie: Wohnen 2009
Umfrage: Österreichisches Gallup Institut